Magazin Inter-Consulta
Bewerberauswahl - inter-consulta GmbH

Warum es sich lohnt bei der Bewerberauswahl zwischen den Zeilen zu lesen

Manche Unternehmen tun sich schwer bei der richtigen Bewerberauswahl. Die Anforderungen an potenzielle Kandidaten in Stellenausschreibungen klingen oft wahrhaft abenteuerlich und schrecken Bewerber eher ab:

„Sie sind jung und ungebunden. Sie haben einen Masterabschluss und natürlich gute Fremdsprachenkenntnisse in Englisch, Französisch und Spanisch, dazu verhandlungssicheres Mandarin. Zudem können Sie ein Jahr Auslandserfahrung in einem renommierten Unternehmen im angestrebten Beruf vorweisen.“

Kurz gesagt: der Kandidat oder die Kandidatin sollte nicht älter als 23 Jahre sein, aber über die Berufserfahrung und Reife eines/einer 30-jährigen verfügen.

Warum tun sich manche Unternehmen so schwer mit der Formulierung Ihrer Stellenausschreibungen für die Bewerberauswahl?

In einer Zeit, in der scheinbar ein Bewerbermangel herrscht, möchte man keinen potentiellen Kandidaten verlieren, also formuliert man alles, und so genau wie möglich, aber trotzdem in alle Richtungen offen. Dadurch entsteht der Eindruck ein Unternehmen sucht eher nach der berühmten eierlegenden Wollmilchsau, männlich, weiblich versteht sich, anstatt nach einem menschlichen Wesen.

Der Blick zwischen die Zeilen bei der Bewerberauswahl lohnt sich

Tatsächlich sind junge Menschen heute immer besser ausgebildet. Und dank Erasmus+ & Co gehen viele deutlich häufiger ins Ausland. Laut einer im Jahr 2017 veröffentlichten Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung befanden sich im Jahr 2015 rund 140.000 Studierende im Rahmen ihres Studiums langfristig im Ausland. Da ist man als ehemaliger “Foreign Student” in seiner Vita also kein Exot mehr.

Welche Marker helfen bei der Bewerberauswahl?

Es muss demnach ein anderer Weg gefunden werden, in der Bewerberauswahl die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn all die oben genannten Hard Skills sind keine generalisierbaren Marker, die einen guten von einem schlechten Kandidaten unterscheiden. Sicherlich sind sie Anhaltspunkte für Ehrgeiz, Durchsetzungsfähigkeit und Durchhaltevermögen, jedoch keine alleinige Evidenz. 

Vielmehr sollte auch zwischen den Zeilen gelesen werden. Welche Beweggründe gibt es für die Vita?

Am Beispiel der Auslandserfahrung könnte man hinterfragen, ob es Gründe dafür gibt, dass der Kandidat keinen oder nur einen kurzen Auslandsaufenthalt vorweisen kann. Weisen diese Gründe möglicherweise auf eine bedeutend tiefer gehende Reife hin, als es ein Auslandssemester könnte? Soziale Verpflichtungen in der Heimat sind hierbei nur ein Hinweis.

Auch schließt fehlende Auslandserfahrung, interkulturelle Kompetenz und Weltoffenheit nicht zwingend aus. 

Nicht zuletzt gilt es sich zu fragen ob Auslandsaufenthalte für die zu besetzende Position tatsächlich unerlässlich sind oder ob sie standardmäßig in der Stellenausschreibung aufgenommen wurden. Möglicherweise sind andere Soft- oder Hard Skills für die Position relevanter. 

Nicht sklavisch an Formulierungen festhalten

Ähnlich zweischneidig verhält es sich mit dem Thema Berufserfahrung. Die gewünschte Berufserfahrung kann ein Absolvent möglicherweise mit einer vorherigen Berufsausbildung erreichen. In der Regel sammeln Studierende Praxiserfahrung in Form von Werkstudententätigkeiten und Praktika. In Zeiten von Bologna (Europäische Studienreform) ist das Studium aber deutlich regulierter geworden, sodass angehende Akademiker sich mit einem verschulten System konfrontiert sehen, welches bei Einhaltung der Regelstudienzeit wenig Zeit für derart lange Praktika lässt. Trotzdem kann der Kandidat die Fähigkeiten besitzen sich schnell zu entwickeln. Diese Fähigkeiten muss man erkennen und sollte sich nicht sklavisch an Formulierungen festhalten.

Selten haben Sie als Personaler die Zeit in jeder Bewerbung zwischen den Zeilen zu lesen. Dabei ist es heute wichtiger denn je einen Bewerber in seiner Ganzheit zu sehen und seine Beweggründe zu hinterfragen. Auf diese Weise lässt sich beurteilen ob seine Vita nicht doch besser zum Unternehmen passt als auf den ersten Blick vermutet. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich den richtigen Bewerber zu rekrutieren. 

Die aufgezeigten Punkte machen deutlich, dass es sowohl für Arbeitnehmer in den Stellenbeschreibungen als auch für Arbeitgeber bei der Bewerberauswahl sinnvoll ist zwischen den Zeilen zu lesen.

Gerne helfen wir Ihnen dabei den richtigen Kandidaten für Ihr Unternehmen auszuwählen. Unsere Personalberater verstehen es, die Persönlichkeit des Bewerbers zu erfassen und dabei auch die Hard Skills nicht aus den Augen zu verlieren. 

Quellen:

Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2017: 

https://www.bmbf.de/de/mobilitaet-von-studierenden-und-wissenschaftlern-steigt-weltweit-4489.html(abgerufen am 04.08.2018)

Cindy-Mara Schumann

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