Magazin Inter-Consulta
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Mitarbeiterprägung in der Einarbeitungszeit – Vorsicht vor dem Graugans-Effekt

Gerne stellen Bewerber im Vorstellungsgespräch die Frage, wie oder durch wen sie eingearbeitet werden. Diese Frage hat es in sich, denn die Einarbeitungsphase ist entscheidender als manch ein Unternehmer denkt. In der Psychologie und im Personalwesen spricht man vom Graugans-Effekt, der hier zum Tragen kommt.

Die alten Hasen als Mentoren

Kommen neue Mitarbeiter in ein Unternehmen, will man sie schnellstmöglich produktiv einsetzen und stellt sie gerne den „alten Hasen“ an die Seite. Schließlich kennen sie die Macken von Maschinen, die Kollegen und Kunden und können wertvolle Tipps geben. Strategisch nachvollziehbar, aber sinnvoll? Wer ist in einem Unternehmen eigentlich prädestiniert eine neue Fachkraft einzuarbeiten oder einen neuen Mitarbeiter einzuführen?

Ein kleiner Ausblick in die Psychologie – der Graugans-Effekt

Das Problem, dass wir ansprechen wollen nennt sich Graugans-Effekt. Der lässt sich am besten erklären – Sie können es sich sicher denken – mit der Graugans, denn, nach dem Schlüpfen müssen Gänseküken erst lernen, wer ihre Mutter ist. Dazu nähern sie sich in den ersten Minuten allen beweglichen Objekten, die Laute von sich geben und folgen diesen fast bedingungslos.

Zurück zum Unternehmen. Was hat das mit der Einarbeitung zu tun?

Menschen suchen Orientierung

Menschen brauchen Orientierung und passen sich an, – bewusst oder unbewusst. Die Erstkontakte im Unternehmen prägen das gesamte weitere Verhalten des neuen Mitarbeiters..

Neue Mitarbeiter kommen sehr motiviert und mit vielen Gedanken und Erwartungen in das Unternehmen: „Wie wird die zukünftige Tätigkeit aussehen? Wie wird mein Alltag?“ Aber auch: „Bin ich den Anforderungen gewachsen? Habe ich zu viel versprochen? Komme ich gut durch die Probezeit. Werde ich mich mit den Kollegen verstehen?“ Aufregung, Hoffnung, Angst, – es schwingen viele Gefühle mit, das Unterbewusstsein scannt die Signale genau.

Beispiel 1: Azubi Alex tritt voll Elan seine Ausbildung an und wird vom väterlichen Werner unter die Fittiche genommen. Werner, 61, steht kurz vor der Rente. Er ist stolz auf das Unternehmen, berichtet nur Positives über die Firma und motiviert „dieJungs“ und verrät allerlei positive und nützliche Tricks. Alex fühlt sich von Anfang an wohl und bleibt motiviert.

Aber es geht auch anders herum, wie in Beispiel 2: In der Produktion der Fa. XY tritt Martina zum ersten Mal in der Spät-Schicht an. Sie ist noch in der Probezeit und will ihre Sache gut machen. Das Team bemerkt, dass „die Neue“ übermotiviert ist und schneller arbeitet. In der Pause wird ihr freundlich zu verstehen gegeben „wie das hier abläuft“ und auch gleich was hier alles nicht läuft.

Der neue Kollege wird unweigerlich – positiv oder negativ – geprägt von den ersten Ereignissen und Kollegen. Das hat starken Einfluss auf die weitere Arbeitsleistung, sein Werteverständnis und seine Motivation im Unternehmen.

Daher unser Tipp an alle Führungskräfte: „Legen Sie Ihr Augenmerk stark auf die Einarbeitungsphase und steuern Sie diese bewusst mit guten Mitarbeitern, denn diese prägen den neuen Kollegen in entscheidender Weise!“

 

Tobias Tiller

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