Magazin Inter-Consulta
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Alles anders – Zurück nach der Elternzeit und Corona

Alles anders – Zurück nach der Elternzeit und Corona

Blickwinkel einer Wiedereinsteigerin – Ines Spitzer, Personalberaterin Vertrieb bei Inter-Consulta, Angestellte und Mutter, berichtet über den Wiedereinstieg in den Beruf nach Elternzeit und Corona und wie Sie den ersten Arbeitstag für sich erlebt. – Ein Blickwinkel, den Personalentscheider und HR-Abteilungen bei der aufkommenden Diskussion um dauerhaftes Homeoffice und veränderte Arbeitsplatzkultur beachten müssen.

Es ist nicht nur der erste Geburtstag meiner Tochter, sondern auch der Tag an dem Elternzeit und Elterngeldzahlung enden.

Für die Rückkehr besteht formaljuristisch eine Pflicht (außer die Elternzeit wird verlängert, Resturlaub wird beansprucht, Überstunden werden abgebaut, eine unbezahlte Freistellung wird vereinbart, Kurzarbeit wird beantragt oder man kündigt – 3 Monate vor Ablauf der Elternzeit!).

Trotz der Pflicht war die Vorfreude auf den „Tapetenwechsel“ groß. Nach einem Jahr Fremdbestimmung endlich wieder selbstbestimmt Themen und Projekte planen, organisieren und umsetzten. Und das im gewohnten Umfeld.

Wenn nicht Corona wäre.

Mein erster Tag sollte mit einem Treffen mit meinem Chef im Büro starten. Der Rest des Teams arbeitet seit Mitte März im Home Office.

Die Straßen früh morgens ins Zentrum von Nürnberg waren wie leergefegt. Alle mussten Mitte August im Urlaub verweilen. Ein Parkplatz ohne große Suche sollte vorprogrammiert sein. Doch es kam anders. Kein Parkplatz auch nach wiederholtem Kreisen. Scheinbar machen Alle Urlaub auf Balkonien und arbeiten im Home Office. Es bleibt nur ein Bewohnerparkplatz – 15 Euro Bußgeld muss ich wohl am ersten Tag vertreten.

Also auf ins Büro. Im Treppenhaus gewohnte Gerüche, doch dann nach dem Aufsperren des Büros erwischt mich ein Geruch, der sich nicht genau definieren lässt. Wie bei Oma, die nicht mehr lüftet? Wie Sofas und Teppiche die im Gebrauchtwarenhof auf einen neuen Besitzer warten? Oder einfach nur ungewohnt? Mein erster Blick geht in Richtung der schönen, großgewachsenen Pflanze im Empfang. Sie hat deutlich an Farbe und Blätter verloren, steht nun aber direkt am Fenster und verdeckt den letzten Strahl Tageslicht. Klar es ist in Mitten des Eingangs einfach zu dunkel. Sie muss ans Fenster. Die Rollos sind unten, um die Sonne auszusperren und den Lichtschalter knipst keiner mehr an.

Außer ich. Ich knipse das Licht an, um mehr von meiner alten Wirkungsstätte zu sehen, auch wenn der Rest der Büros an diesem Tag verschlossen bleibt. Erstmal Rollos hoch, Fenster auf und Richtung Kaffeeküche. Kaffeemaschine an, Kühlschrank auf und Milch raus. Die Milch ist nicht mehr trinkbar – MHD 02.04.2020 – Mitten im Lockdown hat sie sich verabschiedet. Das lassen wir lieber. Die Kaffeemaschine blinkt währenddessen giftig rot auf. Der Schlauch kann kein Wasser mehr ziehen – scheint verkalkt zu sein. Ok, kein Kaffee. Wasser ist dafür noch reichlich da. Genauso, wie Leergut.

Nun an meinen Arbeitsplatz. Alles, wie vor gut einem Jahr, doch was fehlt – Maus und Tastatur. Die werden wohl meine Kollegen zu Hause nutzen. Aber noch was fehlt:

kein warmer Empfang durch lieb gewonnene Kollegen, keine Umarmung, kein „schön, dass du wieder da bist“, kein „wie fühlst du dich?“, kein „was macht die Kleine?“

Daran muss ich mich wohl nun gewöhnen, denn bei Telkos im Home Office, wenn alle dabei sind, gibt es für persönliche, private Belange keinen Platz. Dort geht es um das Wesentliche, das möglichst effizient und zielführend besprochen werden muss. Doch genau diese Art von Arbeit ist ideal für Elternzeitrückkehrer. Effizientes Arbeiten, kurze zielführende Gespräche und das wesentliche im Fokus, um sich dann wieder dem Mutterdasein zu widmen. Die Wärme ist dann nach getaner Arbeit und dem Kind im Arm gewiss.

Ob man aus meiner Sicht eine Rabenmutter ist, wenn man sein Kind bereits mit einem Jahr in die Krippe gibt, lesen Sie in meinem nächsten Beitrag, hier in unserem Magazin.

Ines Spitzer

 

Bildnachweis: Adobe Stock – teeraphan

Ines Spitzer

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